Amerika-Tagung des Katholischen Auslandssekretariats

Neben Afrika gehört der amerikanische Kontinent zu den Hotspots der katholischen Kirche. Fast die Hälfte der 1,2 Milliarden Katholiken weltweit lebt in Nord-, Mittel- und Südamerika. Drei der vier Länder der Erde mit der größten katholischen Bevölkerung befinden sich in den beiden Amerikas: Brasilien 134 Mio., Mexiko 105 Mio., Philippinen 85 Mio. und die USA mit 77 Mio. Katholiken. In allen 57 Ländern Amerikas leben deutsche Minderheiten von unterschiedliche Größe: 49 Mio. US-Amerikaner geben an, von Deutschen abzustammen, deutsche ethno-religiöse Minderheiten wie Mennoniten und Hutterer gibt es in den USA, Mexiko, Chile und Argentinien. Viele Auswanderer des 19. und 20. Jahrhunderts sind assimiliert und haben die deutsche Sprache verloren. Andere Landstriche haben das Deutsche in Kultur und Sprache bewahrt.

Über die Anzahl der Deutschen, die nur vorübergehend und aus beruflichen Gründen auf dem amerikanischen Kontinent leben, gibt es keine offiziellen Angaben. Das Interesse an den Ländern Amerikas als Produktionsstandort oder Absatzmarkt scheint bei deutschen Unternehmen groß zu sein, wenngleich jüngst die Außenhandelspolitik der USA mit ihrer Tendenz zum Protektionismus für Aufregung sorgt. Die Exporte der deutschen Wirtschaft in die USA betrugen im Jahr 2017 ca. 111 Milliarden Euro, davon entfielen 28 Milliarden auf deutsche Autos und Autoteile. Etwa 1200 deutsche Firmen sind allein im Großraum São Paulo mit Produktionsstandorten oder als Dienstleister vertreten, weswegen die brasilianische Metropole schon als „größte deutsche Industriestadt weltweit“ bezeichnet wurde. In Mexiko sind 2000 deutsche Unternehmen engagiert, darunter alle deutschen Autobauer. Das VW-Werk in Puebla ist der zweitgrößte Standort des Automobilkonzerns.

Das alles bringt die Gegenwart von deutschen Landsleuten in diesen Ländern mit sich, obwohl die Unternehmen die Entsendung von heimischem Personal wegen der hohen Kosten so gering wie möglich halten wollen. Das Auslandssekretariat ist mit etwa 7 entsandten Geistlichen auf dem amerikanischen Kontinent vertreten. Zu ihrer zweijährlichen Konferenz trafen sich die Seelsorger im Juni 2018 in Mexiko-Stadt mit zwei Vertretern der Abteilung Weltkirche aus Bonn.

Eine gewisse Besonderheit stellte die Teilnahme des deutschen Botschafters Bernd Finke aus El Salvador an der Tagung dar:  Er ist gleichzeitig ständiger Diakon und konnte wegen seines beruflichen Hintergrundes fundierte Informationen zur Lage der mittelamerikanischen Länder beitragen. Der Reiz dieser Tagung bestand gerade in den Berichten aus erster Hand, die die Seelsorger aus Washington, New York, Mexiko-Stadt, Caracas, São Paulo und Santiago de Chile einbringen konnten. Das Thema Migration aufgrund von Gewalt, Armut und fehlender Zukunftsperspektiven spielte in fast allen Länderberichten ein Rolle, wenngleich aus unterschiedlicher Perspektive. Zudem sind viele Gastländer auf unterschiedliche Weise von der Drogenproblematik betroffen: als Produzenten, Transitländer oder Konsumenten. In jedem Fall bringen die Drogen Kriminalität und großes menschliches Leid mit sich. Die USA sind der größte Drogenmarkt weltweit (52.404 Drogentote in 2015) und versprechen den Drogenhändlern aus dem südlichen Teil des Kontinentes wahnwitzige Gewinnchancen. Korruption und fehlendes politisches Engagement zugunsten der benachteiligten Bevölkerungsschichten verhindern in etlichen Staaten eine positive, nachhaltige Entwicklung.

Die Situation der katholischen Auslandsgemeinden ist vielschichtig. Während es sich bei Washington und New York um Expat-Gemeinden handelt, spielen in anderen Ländern (Venezuela, Brasilien, Chile) die Nachfahren von deutschen Auswanderern eine größere Rolle. Beide Situationen bringen eigene Herausforderungen mit sich. Auf der einen Seite will die deutschsprachige Seelsorge für die Landsleute ein Stück Beheimatung bieten, auf der anderen Seite soll das keine Abschottung gegenüber der örtlichen kulturellen Realität mit sich bringen. Einerseits darf trotz der hohen Fluktuation bei Expat-Gemeinden ein integratives Element nicht fehlen (die sogenannte Kerngemeinde), anderseits dürfen Neuankömmlinge nicht das Gefühl haben, zu einer Art Freundeskreis hinzuzustoßen. Diese und ähnliche Fragen beschäftigten die in den Auslandsgemeinden tätigen Priester intensiv und wurden mit großem Gewinn bearbeitet.

Von Seiten der Mitarbeiter der Deutschen Bischofskonferenz, die zur Konferenz gekommen waren, wurde die Perspektive für die Auslandsseelsorge angesichts der geplanten Einsparungen aufgezeigt und Fragen der Ökumene in Deutschland angesprochen. Interessant war auch, einige Hintergründe der Diskussion um die Zulassung von nichtkatholischen Ehepartnern zur Hl. Kommunion zu erfahren. Zudem konnten ganz ungezwungen Detailfragen der einzelnen Standorte mit den Mitarbeitern aus Bonn besprochen werden.

Besuche in der deutschen Botschaft und beim Goetheinstitut weiteten den Blick der Teilnehmer in Bezug auf internationale Politik und deutsche Auslandskulturarbeit. Die Teilnehmer erlebten die Tagung als hilfreich und ermutigend. Gut, dass es diese Möglichkeit zum Austausch und zur Motivation gibt.

 

 

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