Die größten Marienwallfahrtsorte der Welt

VON TOBIAS GLENZ / KATHOLISCH.DE

Sommerzeit ist Reisezeit. Bereits Johannes Paul II. hatte angeregt, in den Ferien Wallfahrtsorte zu besuchen, die der Gottesmutter gewidmet sind. Das tun jährlich Millionen Gläubige. Katholisch.de stellt die größten Marienwallfahrtsorte der Welt vor – darunter auch zwei deutsche.

Guadalupe, Mexiko

An der Spitze der größten Marienwallfahrtsorte der Welt steht unangefochten das mexikanische Guadalupe. Rund 20 Millionen Pilger besuchen jährlich das Marienheiligtum am Stadtrand von Mexiko-Stadt. Im Dezember 1531 erschien dort dem heiligen Juan Diego die Gottesmutter mit Gesichtszügen einer Mestizin und trug ihm auf, eine Kirche zu errichten. Als er den Bischof mit den Erscheinungen konfrontierte, wurde auf seinem Gewand das später verehrte Bild Unserer Lieben Frau von Guadalupe sichtbar; wie „La Morenita“ („die Dunkelhäutige“) auf das Gewebe gelangte, ist bis heute ungeklärt. Zunächst wurde am Ort der Erscheinungen eine kleine Kirche errichtet, im Jahr 1976 dann eine neue Groß-Basilika geweiht, die heute das Gnadenbild beherbergt und bis zu 40.000 Besuchern Platz bietet. Die Madonna von Guadalupe ist die Patronin Lateinamerikas und insbesondere Mexikos.

„Unsere Liebe Frau in Guadalupe“, das Gnadenbild Marias in der gleichnamigen Basilika am Rande von Mexiko-Stadt.

Aparecida, Brasilien

Mit fast 8 Millionen Pilgern pro Jahr steht das brasilianische Aparecida im Bundesstaat São Paulo auf Platz 2 der größten Marienwallfahrtsorte. Am 12. Oktober 1717 zogen dort drei Fischer eine Marienfigur aus einem Fluss. Dieser „Schwarzen Madonna von Aparecida“ wurden schnell wundertätige Kräfte zugeschrieben. Zunächst wurde die Statue in einer eigens errichteten Kapelle verehrt, an deren Stelle 1834 eine erste Basilika trat, um dem stetig wachsenden Strom der Gläubigen gerecht zu werden. Als diese Kirche abermals zu klein wurde, wurde 1955 eine neue Basilika errichtet, die mit 173 Metern Länge und 168 Metern Breite zu den größten Gotteshäusern der Welt zählt. Unsere Liebe Frau von Aparecida ist seit 1929 Brasiliens Nationalheilige. Im Jahr 2017 – zum 300. Jahrestag der Auffindung der Statue – besuchten sogar fast 13 Millionen Pilger das Heiligtum.

Die Basilika im brasilianischen Marienwallfahrtsort Aparecida.

Lourdes, Frankreich

Der drittgrößte Marienwallfahrtsort der Welt und zugleich der größte Europas ist das französische Lourdes. Etwa 6 Millionen Pilger kommen jährlich in das kleine Pyrenäenstädtchen. Im Jahr 1858 erschien dort der 14-jährigen Bernadette Soubirous die Gottesmutter 18-mal und stellte sich ihr als die „Unbefleckte Empfängnis“ vor. Am Erscheinungsort, der Grotte von Massabielle, entdeckte Bernadette im Auftrag Marias die heute weltberühmte Heilquelle. 70 Heilungswunder hat die Kirche seit den Erscheinungen offiziell anerkannt – über 30.000 soll es insgesamt gegeben haben. Neben dem „Heiligen Bezirk“ um die Erscheinungsgrotte erwarten den Lourdes-Pilger heute drei großen Basiliken sowie die Bäder (Piscines) für kranke und behinderte Menschen. Der Festtag Unserer Lieben Frau von Lourdes ist am 11. Februar, dem Tag der ersten Erscheinung. Seit 1958 findet jährlich die Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes statt.

Die Madonnenfigur in der Lourdesgrotte.
Die Madonnenfigur in der Lourdesgrotte von Massabielle

Fatima, Portugal

Über 5 Millionen Pilger pro Jahr verzeichnet der bekannteste Wallfahrtsort Portugals: In Fatima war die Gottesmutter im Jahr 1917 mehrfach drei Hirtenkindern erschienen. Dabei verkündete sie ihnen unter anderem die sogenannten „Drei Geheimnisse von Fatima“: Prophezeiungen über einen neuen Weltkrieg, die Rechristianisierung Russlands nach dem Kommunismus und das Attentat auf einen „Bischof in Weiß“. Bei der sechsten und letzten Erscheinung am 13. Oktober 1917 wurden Zehntausende Gläubige Zeugen eines von den Kindern angekündigten Sonnenwunders. Johannes Paul II. sah in der dritten Prophezeiung die Ankündigung des Attentats auf seine Person am 13. Mai 1981 und schrieb seine Rettung der Muttergottes von Fatima zu. Im Jubiläumsjahr 2017 kamen über 9 Millionen Menschen zum portugiesischen Marienheiligtum.

Der portugiesische Wallfahrtsort Fatima.

Tschenstochau, Polen

Mit etwa 4,5 Millionen Besuchern pro Jahr folgt in der Rangliste der größten Marienwallfahrtsorte das polnische Tschenstochau (Czestochowa). Seit dem Jahr 1384 wird dort das Bildnis der weltberühmten Schwarzen Madonna verehrt. Der Legende nach wurde es vom heiligen Lukas gemalt. Vermutlich aber entstand das 80 mal 120 Zentimeter große Gnadenbild im byzantinischen Stil zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert. Der Ikone der Gottesmutter mit Jesuskind werden wundertätige Fähigkeiten zugesprochen; so etwa die Rettung vor den einfallenden Schweden 1655. Aufbewahrt wird das Bild im Paulinerkloster auf dem Hügel Jasna Gora. Während der Besatzung durch die Nazis und später auch in kommunistischer Zeit blieb die Madonna von Tschenstochau das Symbol der Volksfrömmigkeit in Polen. Die Ikone im schlesischen Wallfahrtsort gilt als die heiligste Reliquie des Landes und wird als Nationalheiligtum verehrt.

Die Schwarze Madonna von Tschenstochau in der Kapelle von Jasna Gora. Dem Gnadenbild und dem Schutz der Muttergottes wird zugeschieben, dass im Jahr 1655 zahlenmäßig weit überlegene Schweden das Festungskloster Jasna Gora nicht erobern konnten.

Loreto, Italien

Die Gemeinde Loreto gilt als wichtigster Marienwallfahrtsort Italiens. Mit jährlich rund 4 Millionen Besuchern rangiert die Kleinstadt an der Adriaküste zudem auf Rang 6 der größten Marienwallfahrtsstätten der Welt. Der Legende nach trugen Engel im Jahr 1295 das Haus der Gottesmutter Maria von Nazareth nach Loreto. Das als „Heiliges Haus“ bekannte 9 Meter lange, 4 Meter breite und 5 Meter hohe Bauwerk bildet heute den Mittelpunkt der im 15. Jahrhundert errichteten Wallfahrtsbasilika. Laut archäologischen Untersuchungen könnten die Steine des Hauses tatsächlich aus dem Orient stammen und wurden möglicherweise von Kreuzfahrern nach Italien gebracht. Nach dem Vorbild des Hauses wurden europaweit sogenannte Loretokapellen errichtet, die heute selbst Ziel vieler Pilger sind.

Die Basilika vom Heiligen Haus in Loreto bei Ancona an der Adriaküste Italiens. In ihr wird seit der Kreuzfahrerzeit das Wohnhaus der Heiligen Familie von Nazareth verehrt.

Velankanni, Indien

Als „Lourdes des Ostens“ und wichtigster Wallfahrtsort Indiens gilt das im Westen wenig bekannte Velankanni. Jahr für Jahr wird der Marienwallfahrtsort am Golf von Bengalen von mehr als 2 Millionen Pilgern besucht. Um 1600 soll es dort insgesamt drei Marienerscheinungen gegeben haben. An der Stelle der Erscheinungen wurde eine Kirche errichtet, die mehrfach erweitert und im Jahr 1962 von Papst Johannes XXIII. zur Basilica minor erhoben wurde. Das Gotteshaus ist „Unserer Lieben Frau der Gesundheit“ geweiht, denn der Wallfahrt nach Velankanni werden heilende Kräfte zugeschrieben. Pilger beten dort entsprechend um Heilung ihrer Krankheiten; in der Basilika zeugen unzählige Votivgaben – aus Silber oder Gold nachgebildete Körperteile – von tatsächlich eingetretenen Heilungen. Außer von Christen wird der Wallfahrtsort auch von vielen Hindus und Muslimen besucht.

Die Marienbasilika in Velankanni.

Altötting, Deutschland

Mit mehr als 1 Million Pilgern pro Jahr zählt auch das oberbayerische Altötting zu den großen Marienwallfahrtsorten der Welt. Der als „religiöses Herz Bayerns“ bekannte Ort ist Heimat der Altöttinger Schwarzen Madonna: Die geschnitzte Marienfigur mit Jesuskind kam um 1330 nach Altötting, wo bereits seit dem 9. Jahrhundert die Gottesmutter in besonderer Weise verehrt wurde. Im Jahr 1489 sollen sich dort zwei Heilungswunder zugetragen haben, was die Wallfahrtstradition begründete. Über 2.000 Votivtafeln aus Dank für die Hilfe der Gottesmutter schmücken heute den Umgang der Gnadenkapelle auf dem Kapellplatz. Die Herrscher aus dem Hause Wittelsbach ließen ihre Herzen in silbernen Urnen in einer Wandnische nahe der Madonna bestatten. Bekannt ist Altötting auch für seinen heiligen Klosterpförtner Konrad von Parzham.

Vor der Kirche St. Magdalena steht die Altöttinger Gnadenkappelle mit der altverehrten Schwarzen Muttergottes. Sie ist die meistbesuchte Wallfahrtsstätte Deutschlands und auch europaweit bekannt.

Mariazell, Österreich

Bis zu 1 Million Menschen pilgern jährlich zur berühmtesten Wallfahrtsstätte Österreichs: Mariazell in der Steiermark. Seit dem 12. Jahrhundert wird dort eine romanische Marienfigur als „Magna Mater Austriae“ – „Große Mutter Österreichs“ – verehrt. Laut Gründungslegende hatte ein Benediktinermönch die Holzstatue bei der Reise in sein neues Missionsgebiet mitgenommen. Nachdem er zur Muttergottes gebetet hatte, spaltete sich ein Felsen, der ihm zuvor den Weg versperrt hatte. Am Ziel angekommen, stellte der Mönch die Marienstatue auf einen Baumstrunk und baute seine Zelle, die als Kapelle und Unterkunft für ihn diente. Aus „Maria in der Zelle“ wurde Mariazell. Heute erhebt sich an der Stelle eine gotische Basilika mit drei charakteristischen Türmen. Die dort aufbewahrte Marienfigur ist die meiste Zeit des Jahres in ein Prachtgewand gekleidet.

Die Basilika von Mariazell in der Steiermark ist der wichtigste Wallfahrtsort in Österreich. Seit dem 12. Jahrhundert wird hier ein hölzernes Mariengnadenbild verehrt.

Kevelaer, Deutschland

Mit etwa 800.000 Pilgern jährlich ist Kevelaer der zweitgrößte Marienwallfahrtsort Deutschlands. Erst im vergangenen Jahr konnte der 28.000-Seelen-Ort am Niederrhein Jubiläum feiern: Seit 1642 – 2017 waren es genau 375 Jahre – existiert dort bereits die traditionsreiche Wallfahrt zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“. Zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs hatte ein Handelsmann die Eingebung, in Kevelaer einen Wallfahrtsort entstehen zu lassen. Das heute verehrte Gnadenbildchen kaufte er einem luxemburgischen Soldaten ab und baute zur Aufbewahrung einen Bildstock. Zahlreiche Wunderheilungen sollen sich seitdem in Kevelaer ereignet haben. Die Gnaden- und Kerzenkapelle sowie die Marienbasilika bilden heute das Zentrum des Wallfahrtsortes. Zu den Höhepunkten des Pilgerjahres zählen die jährlich stattfindende Motorradwallfahrt mit mehreren tausend Teilnehmern sowie die Wallfahrt der Tamilen.

Die Gnadenkapelle in dem nordrhein-westfälischen Wallfahrtsort Kevelaer.

Marija Bistrica, Kroatien

Ebenfalls rund 800.000 Menschen besuchen Jahr für Jahr den bekanntesten Wallfahrtsort Kroatiens, Marija Bistrica. Der Ortsname ist eine Kombination aus dem Namen der Gottesmutter und dem Fluss Bistrica, der durch die Ortschaft fließt. Seit dem 15. Jahrhundert wird dort eine spätgotische hölzerne Marienfigur verehrt, die zu den Schwarzen Madonnen gerechnet wird; gleichwohl haben Untersuchungen ergeben, dass die dunkle Farbe nicht ursprünglich ist. Der Statue wurden schnell wundertätige Kräfte zugeschrieben, was die Zahl der Pilger stetig steigen ließ. Heute kann die goldgekrönte Madonna mit Kind in der Basilika der Seligen Jungfrau Maria verehrt werden. 1971 hatten die Bischöfe des Landes das Marienheiligtum zum „nationalen Wallfahrtsort“ für das gesamte kroatische Volk erklärt.

Marija Bistrica
Marija Bistrica ist der größte Wallfahrtsort Kroatiens.

Einsiedeln, Schweiz

Etwa 500.000 Pilger kommen pro Jahr nach Einsiedeln, der wichtigsten Marienwallfahrtsstätte der Schweiz. Die Wallfahrts- und Klosterkirche der Benediktinerabtei Einsiedeln beherbergt das spätgotische Gnadenbild „Maria Einsiedeln“ – eine Schwarze Madonna aus dem 15. Jahrhundert. Sie ersetzte ein älteres, romanisches Gnadenbild, das bei einem Brand zerstört wurde. Tatsächlich war für die schwarze Farbe eigentlich Kerzenruß verantwortlich, der sich über die Jahrhunderte auf der Figur abgelagert hatte. 1803 legte ein Restaurator die ursprüngliche Farbe frei und bemalte die Madonna fleischfarben. Das stieß in der gläubigen Bevölkerung jedoch auf Ablehnung, sodass die Figur wieder schwarz übermalt wurde. Seit dem 17. Jahrhundert ist die Madonna in ein spanisches Gewand in Glockenform gekleidet. Einsiedeln gilt auch als bedeutende Station auf dem Jakobsweg.

Die Stiftskirche der Benediktinerabtei Einsiedeln im Kanton Schwyz.

Kibeho, Ruanda

Kibeho ist etwas Besonderes, handelt es sich doch um den einzigen Wallfahrtsort in Afrika, der offiziell von der Kirche anerkannt wurde. Nach Schätzungen pilgern jährlich etwa 500.000 Gläubige in den kleinen Ort im Südwesten Ruandas. Bereits 1934 war dort eine Pfarrei gegründet und der Jungfrau Maria geweiht worden. 1981 soll dann die Gottesmutter drei Mädchen erschienen sein. Sie stellte sich ihnen als „Nyina wa Jambo“ vor, was so viel wie „Mutter des Wortes“ bedeutet. Der Ortsbischof berief daraufhin eine Kommission ein, die sich 20 Jahre lang mit dem Ereignis befasste – mit positivem Resultat: Kibeho wurde 2001 zum offiziellen Wallfahrtsort. Bereits seit den 1980er-Jahren hatte sich eine rege Pilgertätigkeit entwickelt, weshalb Kibeho schnell den Beinamen „Lourdes von Ruanda“ erhielt.

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