Priester in Mexiko – Im Visier der organisierten Kriminalität

von Ann-Katrin Mellmann, Deutschlandfunk Köln /

In Mexiko wurden in den vergangenen Jahren immer wieder katholische Priester ermordet. Meist weil ihre Arbeit bestimmten Gruppen der organisierten Kriminalität nicht passte.

„Das ist das Metallgesetz: Silber oder Blei“, bringt es der Soziologe Felipe Gaytan auf den Punkt. Silber steht für Geld, Blei für tödliche Kugeln. Vor allem in ländlichen Regionen Mexikos, in denen der Staat nicht mehr für die Sicherheit seiner Bürger sorgt, regiert die Organisierte Kriminalität nach dieser einfachen Regel: Entweder du stehst auf unserer Seite, oder du stirbst. Oft gilt das auch für Geistliche. 26 starben in den vergangenen knapp 6 Jahren. Der frühere Bischof von Apatzingan im Bundesstaat Michoacán Miguel Patiño Velasquez hat in seiner Diözese 5 Priester verloren. Sie wurden ermordet aus Gründen wie diesem:

„Einer unserer Priester half einer Witwe, indem er ihr einen Bauern vermittelte, der ihr Feld bestellte. Die Zeit verging. Eines Tages kam er an dem Feld vorbei und sah, dass auf ihm nur Marihuana wuchs. Er schimpfte mit dem Bauern. Drei Tage später kam die Armee und brannte das Feld nieder. Deshalb geriet der Priester in Verdacht. Er verschwand zunächst spurlos. Wir suchten ihn tagelang. Seine Mörder hatten ihn angeschossen und dann totgeprügelt. Diese Dinge passieren wegen des Drogenhandels.“

Brutalität nimmt zu

In keinem Land der Welt werden so viele Priester ermordet wie im katholischen Mexiko. Im April starben drei innerhalb einer Woche. Einer wurde am helllichten Tag in seiner Kirche geschlagen und erstochen. Die Brutalität nimmt zu. Verbrecherbanden sendeten damit das Signal, dass ihnen nichts mehr heilig ist, so Felipe Gaytan. Als Experte für Religion vermutet er, dass weit mehr Seelsorger ermordet werden, als die offiziellen Statistiken angeben, weil in ihnen die evangelikalen Prediger fehlen.

„Es geht nie um ihren Glauben, sondern immer um ihre Arbeit: Sie werden getötet, weil sie der Gemeinde helfen, sie beschützen wollen oder eine Vermittlerrolle einnehmen. Dann werden sie oft als Feinde angesehen. Weiterer Grund ist, dass sie sich mit Verbrecherbanden arrangieren, zum Beispiel um Geld für soziale Arbeit zu bekommen oder weil es irgendwie hilft. Wenn dann aber eine neue Verbrecherbande kommt und die Macht übernimmt, sind diese Priester Feinde, weil sie scheinbar zum Feind gehören und werden deshalb getötet.“

Man rechnet mit einem Anstieg der Gewalt

Im Juli wurde in Mexiko gewählt: den Präsidenten, Gouverneure und Bürgermeister. Für die Organisierte Kriminalität heißt das: Die Karten werden neu gemischt. Sicherheitsexperten rechnen deshalb mit einem Anstieg der Gewalt und mit noch mehr Toten als im vergangenen Jahr, in dem mehr als 25.000 Menschen ermordet wurden. Für Felipe Gaytan ist der Zusammenhang mit der hohen Zahl getöteter Priester klar:

„Die Drogenbanden wollen jetzt ihr Feld abstecken. Für sie ist wichtig, dass niemand gewählt wird, der ihre Machenschaften einschränkt. Sie fördern den, der ihnen nützlich ist und die Kirche kann dabei behilflich sein. Wenn nicht – werden Bürgermeisterkandidaten oder Priester aus dem Weg geräumt. Ein Bischof im Bundesstaat Guerrero hat es geschafft, mit den Kartellen einen Deal auszuhandeln, damit sie im Wahlkampf keine Priester oder Bürgermeisterkandidaten mehr umbringen.“

Dieser Bischof erntete massive Kritik, weil er mit Kriminellen verhandelt hat. Er hat versucht das zu tun, was der Staat in vielen Regionen nicht schafft: Die Bürger zu beschützen.

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