Mexiko steckt in einer Guacamole-Krise

VON PAULINA WÜRMINGHAUSEN / Kann ein Dip landesweit für Empörung sorgen? In Mexiko passiert derzeit genau das: Dort ist die beliebte Guacamole durch einen billigen Abklatsch ersetzt worden. Das liegt am Nachbarland.

Avocados, das sind die prallen, grünen, birnenförmigen Früchte; die, bei denen man im Supermarkt genau darauf achten muss, welchen Reifegrad sie haben, damit sie genießbar sind. Früher als Dickmacher verteufelt, sind sie heute als „Superfood“ bekannt und dürfen in keinem Hipstercafé fehlen.

Dass die Avocado beliebt ist, beweist ein Blick in die sozialen Netzwerke: Auf Instagram werden unter dem Hashtag #Avocado fast zehn Millionen Fotos angezeigt. Dort wird die exotische Frucht als Salat oder Smoothie neu erfunden, man könnte auch sagen: inszeniert. Nach wie vor beliebt ist aber die klassische Guacamole, ein Dip, der hauptsächlich aus Avocado besteht. Mit ihm fing der ganze Hype mal an.

Doch ausgerechnet in Mexiko, dem Vaterland der Guacamole, muss jetzt auf die landestypische Speise verzichtet werden. Schuld daran sind die hohen Avocado-Preise, die sich in den vergangenen Jahren verfünffacht haben. Zuletzt hatte die Androhung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die Grenze nach Mexiko schließen zu wollen, zu einer Preisexplosion geführt: Viele Einkäufer wollten sich daraufhin noch schnell mit Avocados eindecken. Daneben trieb besonders das Jahr 2018 den Preis nach oben, denn die Ernte war schlecht – und die Nachfrage aus dem Nachbarland Amerika ungebrochen. Dort ist der Markt attraktiver als in Mexiko, die Händler können die Avocados teurer verkaufen.

Im Herstellungsland Mexiko verschwindet sie währenddessen von den Speisekarten. Zu Tacos und Burritos servieren viele mexikanische Gastronomen stattdessen aus der Not heraus einen Guacamole-Ersatzdip. Der besteht aus Tomatillo, Zucchini, Öl und Chili – die Hauptzutat Avocado wurde durch billigere Zutaten ersetzt. Landesweit sorgt dieser Guacamole-„Abklatsch“ für Empörung, das mexikanische Magazin „Chilango“ schreibt sogar von „einer Soße, die uns das Herz bricht“.

Überraschend kommt die „Guacamole-Krise“ allerdings nicht. Schon vor fünf Jahren hatten Restaurantketten davor gewarnt, dass die Früchte teurer werden könnten. Avocados brauchen Unmengen an Wasser, um wachsen zu können. Doch Wasser ist immer knapper vorhanden, der Klimawandel verstärkt das Problem noch. Auch Menschenrechtsverletzungen und die Abholzung von Wäldern werden angeprangert. In deutschen Supermärkten landen vor allem Avocados aus Peru, Chile oder Spanien. Das belastet immerhin nicht die Guacamole-Krise in Mexiko. Der ökologische Fußabdruck aber sieht nicht viel besser aus.

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