Vor 150 Jahren: Kaiser Maximilian von Mexiko hingerichtet

von ALMUT FINCK /

Das Erschießungskommando steht bereit, da gibt der zum Tode Verurteilte jedem Mann noch ein Goldstück. Damit keiner aufs Gesicht zielt. Seine Mutter soll ihn erkennen, wenn sie den Leichnam bekommt. Kurz darauf dann die Schüsse.

„Der Kaiser schloss die Augen und fiel von Kugeln durchbohrt langsam rückwärts.“

So schildert der Hofkoch Maximilians von Mexiko die Hinrichtung seines Herrn – und so endet am 19. Juni 1867 ein Drama, das im Grunde schon begann, als Maximilian geboren wurde, 35 Jahre zuvor, in Wien: ein Erzherzog zwar, aber nur der nächst jüngere Bruder Franz Josefs, des späteren Kaisers – und der ewige Zweite.

Maximilian ist ein Schöngeist, fantasiebegabt, intelligent, aber ein Träumer. Und er hat liberale Ideen, sympathisiert sogar mit der Revolution 1848. Dass der erzkonservative Franz Josef ihn nicht schätzt, ist Maximilian bewusst, wie eine Notiz aus seinen nachgelassenen Papieren zeigt:

„Mein Freimut, mein burschikoses, offenes Wesen genieren, meine liberalen Ansichten schockieren ihn; meine ungebundene Zunge fürchtet er, mein aufbrausendes Temperament erschreckt ihn.“

Der Zweitgeborene wird zum Marionettenkaiser Napoleons III.

Der Kaiser beauftragt Maximilian mit der Modernisierung der österreichischen Kriegsmarine. Er wird also Konteradmiral, entwirft begeistert ganze Schiffe, fördert Ozeanreisen zu Forschungszwecken. 1857 heiratet er Charlotte von Belgien. Die beiden ziehen nach Miramare, in den Palast, den sich Maximilian hat bauen lassen, bei Triest, auf einem Felsvorsprung am Meer. Zur Hochzeit schenkt Franz Josef seinem Bruder den Posten eines Generalgouverneurs von Lombardo-Venetien. Doch in Italien regt sich nationaler Widerstand gegen die Habsburgerherrschaft. Der Kaiser greift mit aller Gewalt durch. Maximilian hätte lieber demokratische Zugeständnisse gemacht. Desillusioniert zieht er sich in sein Traumschloss zurück. Da klopft Napoleon III. bei ihm an. Der französische Kaiser strebt nach Besitztum in Übersee.

Das an Bodenschätzen reiche Mexiko wäre ihm recht. Es ist zwar seit 1821 ein souveräner Staat, aber so hoch verschuldet bei Frankreich, dass Napoleon glaubt, eine Invasion legitimieren zu können. Was ihm noch fehlt: Ein Herrscher nach seinem Willen, ein Marionettenkaiser. Maximilian durchschaut das Spiel nicht.

„Nun tritt plötzlich der mexikanische Kronantrag an mich heran und mit ihm die Gelegenheit, auf ehrenhafte und gesetzliche Weise die schwere Bürde einer tatenlosen Existenz, eines vergessenen Vegetierens auf immer zu lösen.“

Endstation Mexiko

Am 14. April 1864 segelt Maximilian mit Charlotte und seinem Hofstaat von Triest aus nach Veracruz. Hier wird er erwartet: Nicht von jubelnden Massen, sondern von ein paar Dutzend Bettlern, die Straßen sind fast leer, die Stadt marode. Maximilian, vollkommen blauäugig, hatte keine Ahnung, dass das mexikanische Volk tief gespalten ist: auf der einen Seite die Armen, die Indios, die zunehmend aufbegehrenden Massen. Auf der anderen Seite der hohe Klerus und die Großgrundbesitzer. Maximilian versucht vieles, erreicht aber wenig. Er plant Schulen und Krankenhäuser – allein, es scheitert am Geld. Wo soll es auch herkommen? Das Kaiserpaar residiert wie die Fürsten im feudalen Europa. Unsummen verschlingt die Renovierung des alten Regierungspalastes in Chapultepec.

Drei Jahre dauert Maximilians absurdes, sinnloses und völkerrechtswidriges Abenteuer. Dann töten ihn Rebellen im Auftrag von Benito Juarez, dem rechtmäßigen Präsidenten Mexikos. Charlotte ist da schon zurück in Europa – und verliert ihren Verstand. Sie wird noch 60 Jahre lang leben, in geistiger Umnachtung.

Kaiser Franz Josef regiert weitere 49 Jahre. Erzherzogin Sophie, beider Mutter, soll beim Anblick des einbalsamierten Leichnams Maximilians allerdings einen Ausruf getätigt haben, der bis heute Verschwörungstheorien befeuert, Maximilian sei gar nicht erschossen worden. Was sie sagte?

„Das ist nicht mein Sohn!“

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