Hl. Pfarrer Cristóbal Magallanes

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Pfarrei Totatiche in Jalisco

Seit vergangenen Sonntag ist die von Deutschen errichtete St.-Thomas-Morus-Kirche in Mexiko-Stadt um eine Attraktion reicher. Der deutschsprachige Pfarrer Monsignore Wilhelm Havers (+ 2007) hatte seinerzeit eine Gedenkinschrift an die Mexikanischen Märtyrer im hinteren Teil der Kirche anbringen lassen. Jetzt wurde auf Initiative eines Gemeindemitglieds ein Gemälde der 27 Märtyrer an eben jener Stelle angebracht. Außerdem werden seit der feierlichen Einweihung dieses Gedenkortes auch zwei Reliquien dauerhaft ausgestellt sein: die des Hl. Pfarrers Cristobal Magallanes und des Märtyrerkindes José Sánchez del Río.

Mons. Wilhelm Havers hat in seinen letzten Lebensjahren ein Buch mit Lebensbeschreibungen der mexikanischen Märtyrer herausgegeben. Wir veröffentlichen hier das Lebensbild des Hl. Pfarrers Magallanes.

aus WILHELM M. HAVERS, Es lebe Christus, der König!, Die mexikanischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts

In der Nähe seiner späteren Pfarrei Totatiche wurde Cristobal am 30. Juli 1869 geboren. Da der Vater früh starb, blieb er mit seinen 3 Geschwistern unter der Obhut der Mutter, die in bescheidenen Verhältnissen lebte. Bis zum neunzehnten Lebensjahr half Cristobal als Knecht auf einem Bauernhof, als Schafhirte und durch handwerkliche Tätigkeiten.

Der Ortspfarrer erkannte die Gabe seiner geistlichen Berufung und ebnete ihm den Weg in das Diözesanseminar in Guadalajara, in das Cristobal 1888 eintrat. Elf Jahre später, 1899, konnte er die hl. Priesterweihe empfangen.

Schon 1901 ging er als Kaplan nach Totatiche und trat nach dem Tod des Pfarrers 1909 dessen Nachfolge an. Wie bei allen mexikanischen Märtyrern war sein Leben geprägt von einer tiefen eucharistischen und marianischen Frömmigkeit, verbunden mit einer grossen Liebe zur Kirche und zum Hl. Vater. Nicht nur in der Pfarrei, sondern auch in vielen entlegenen Dörfern und Ranchos gründete er katechetische Zentren und bildete Laien als Katecheten aus. Eine von ihm gegründete Zeitschrift „El Rosario“ sollte ebenfalls der Ausbreitung und Vertiefung des Glaubens dienen. Als 1914 das Diözesanseminar von der Regierung geschlossen und enteignet wurde, gründete er auf Anregung von Erzbischof Francisco Orozco ein Hilfsseminar, das sich schon bald mit geeigneten Jugendlichen füllte und zunächst von ihm selbst geleitet wurde.

Ausgeprägt war bei ihm eine Sorge um das Elend der Landbevölkerung. Er organisierte den Bau einer Talsperre, gab Anweisung für die Verteilung von Bewässerungsanlagen und die systematische Aufforstung der Berge. Für Waisenkinder und mittellose alte Menschen schuf er Heime. In dem kleinen Museum, das neben der von ihm erbauten Pfarrkirche entstanden ist, findet sich auch eine Ausgabe der Sozialenzyklika von Papst Leo Xlll. „Rerum Novarum“. Nach diesen Leitsätzen setzte sich Pfarrer Magallanes für einen gerechten Arbeitslohn und für eine würdige Alterspension ein. Die in Mexiko herrschende revolutionäre Regierung hatte kein Interesse an der armen Bevölkerung, sondern nur ein Ziel: sich zu bereichern und die Macht durch eine Terrorherrschaft zu festigen. Auch bei den Huicholes einem Indianerstamm, der teilweise in seinem Pfarrbereich wohnte, half der eifrige Priester mit vielerlei Massnahmen, vor allem für mittellose Familien, für Witwen und Waisen.

Obwohl Pfarrer Magallanes immer gegen einen bewaffneten Aufstand war, begann auch in dem Gebiet von Totatiche im November 1926 der Kampf der Cristeros gegen die Diktatur der Calles-Regierung. Wo immer ein solcher Aufstand organisiert wurde, waren die katholischen Priester vogelfrei und wurden als Rädelsführer der Rebellen betrachtet. So musste sich Pfarrer Magallanes gegen seinen Willen verbergen und konnte die Seelsorge nur noch im Geheimen, hauptsächlich auf den entlegenen Ranchos ausüben. An einen geistlichen Mitbruder schreibt er zwei Monate vor seinem Tod: „Lieber Pater Cornelius, ich werde verfolgt und wahrscheinlich wird man mich in dieser Revolution töten. Hilf mir durch Dein Gebet!“

Am 21. Mai 1927 wurde er von einer Heeresstreife festgenommen und bekannte augenblicklich: „Ich bin der Pfarrer von Totatiche.“ Im Gefängnis von Totatiche traf er seinen Kaplan Agustín Caloca, den man ebenfalls am selben Tage festgenommen hatte. Als man die Priester dem General der Callestruppen namens Goni vorführte, wurden sie sofort als Helfer der Rebellen beschimpft. Pfarrer Magallanes zeigte dem General eine der letzten Nummern seiner Pfarrzeitschrift, in der er folgenden Text veröffentlicht hatte: „Die christliche Religion darf nicht durch Waffengewalt ausgebreitet oder verteidigt werden. Weder Christus, noch die Apostel, noch die Lehre der Kirche haben jemals die Gewalt als Mittel für den Schutz des Glaubens gerechtfertigt.“ Die Antwort des Generals lautete: „Mag sein, daß ihr nicht direkt am Kampf beteiligt seid. Doch durch eure Existenz als Priester seid ihr schon Verräter des Vaterlandes.“ Am nächsten Tag wurden die beiden in das Gefängnis der Kleinstadt Momax im Bundesstaat Zacatecas gebracht und von dort am 24. Mai in das Gefängnis von Colotitlán.

Am Morgen des 25. Mai wurde ihnen mitgeteilt, daß sie beide erschossen würden. Sie spendeten sich gegenseitig die Gnade des Bussakramentes und wurden dann in den Hof des Rathauses geführt. Vor dem Erschiessungskommando bat Pater Magallanes um ein letztes Wort, das von anwesenden Zeugen bewahrt wurde. Er sagte: „Ich sterbe ohne jede Schuld, vergebe aber von Herzen allen, die mich dem Tod überliefern. Ich bitte den Herrn, daß mein Blut beitragen möge, die jetzt noch verfeindeten Mexikaner wieder miteinander zu versöhnen“

Das vorbildliche Leben der beiden Priester blieb im Herzen des gläubigen Volkes unvergessen. Schon bald werden sie als Märtyrer verehrt und ihr Seligsprechungsprozess von den zuständigen kirchlichen Behörden eingeleitet.

Am 21. Mai 2000 erfolgte ihre Heiligsprechung.

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