In guten und in schlechten Tagen…

„Vier Stunden sollten reichen, um die 76 km nach Cuernavaca an einem Samstagvormittag zu bewältigen“, dachte ich mir als ich um 10 Uhr das Haus verließ. Mit dem Taxi zum Busbahnhof, dann den bequemen Linienbus nehmen – eigentlich alles kein Problem. Wie vielen Deutschen fällt es auch mir schwer, zu spät zu einem Termin zu kommen. Und der Trost der Pfarrer – „Ohne mich fangen die eh‘ nicht an.“ – hilft auch nicht wirklich weiter. Zu spät ist zu spät.

Kaum auf der Autobahn, die Mexiko-Stadt in Richtung Süden verläßt, begann der Stau. Nicht irgendein Stau: ein Megastau wegen zwei Lastwagenunfällen, wie sich mit dem Handy leicht herausfinden ließ. „Verbleibende Zeit bis zum Ziel: 2:35h“, verkündete die Navigation. Kein Grund zur Panik. Genau aus diesem Grund war ich ja so früh losgefahren. Schließlich kenne ich nach zweieinhalb Jahren Mexiko schon ein wenig.

In aller Ruhe nahm ich mein Buch vor, um entspannt zu lesen. Aber jedesmal wenn der Bus, der sich nur im Schritttempo vorwärtsbewegte, gänzlich zum Stehen kam, mußte ich unwillkürlich auf die Uhr schauen. Immer noch kein Grund zur Unruhe. Mit diesem satten Zeitpuffer könnte ich jedwede Verzögerung locker überstehen.

Irgendwann begann ich die Telefonnummer der Braut zu suchen. Immer öfter checkte ich die errechnete Ankunftszeit, bis mir plötzlich klar wurde, dass ich es nicht pünktlich schaffen würde. Zu einer Hochzeit – zu spät! Als Deutscher empfinde ich das als Höchststrafe. Zumal ich hier in Mexiko öfter damit prahle, dass in Deutschland alle Gottesdienste immer pünktlich anfangen. Und jetzt würde ich selber zu spät kommen.

Bei meiner Ankunft 30 min. nach dem geplanten Beginn der Brautmesse, traf ich auf eine gut gelaunte Hochzeitgesellschaft. Ich wette, dass kaum ein mexikanischer Gast die Verspätung überhaupt bemerkt hat und die Gäste aus Deutschland waren mit den vielen neuen Eindrücken beschäftigt, dass sie sich getrost und ganz unbeschwert den tropikalen Gepflogenheiten überließen.

Vor zwei Jahren hätte ich mich wohl noch am Beginn der Heiligen Messe umständlich für mein Zuspätkommen entschuldigt, aber diesmal sagte ich mir, „es hat sowieso kaum jemand bemerkt“. Wir feierten einen sehr würdigen, bewegenden Trauungsgottesdienst und anschließend eine tolle Party. Herzlichen Glückwunsch an Christian und Paola, die frisch Vermählten!

Ein Kommentar

  1. ich kann das so nach vollziehen, nach dem ich japan gelebt habe wo das noch extremer ist als in deutschland, wo zu spät kommen, mit anrufen etc. vorab informiert wird etc.
    zum Glück ist alles gut gegangen, viva mexico

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