Ein Geistlicher aus Petersdorf in Mexiko

Pater Hubert will noch lange in Mexiko als Priester tätig sein. Wegen der Landschaft, der Tauchgebiete und aus anderen Gründen.

Von Johann Eibl

Petersdorf. Seine Heimat liegt im Wittelsbacher Land. Hubert Reiner stammt aus dem Loachbauernhof in Petersdorf. 1994 begann sein Noviziat. Nach dieser Probezeit vor dem Ordensgelübde studierte er drei Jahre lang in Rom Philosophie. Auf ein Praktikum folgte ebenfalls in der Ewigen Stadt das Studium der Theologie. Am Heiligen Abend 2004 wurde er zum Priester geweiht.

Danach absolvierte er fünf Jahre Dienst in Deutschland. Dann ging’s für dieses Mitglied der Legionäre Christi hinaus in die weite Welt. Seit 2010 ist Mexiko zu einer Art zweiten Heimat für ihn geworden. Erst hatte er an einer Universität in Mexiko-City zu tun, 2011 führte ihn der Weg nach Yucatan.

Wie gut es ihm dort ergeht, wie wohl er sich jenseits des Großen Teichs fühlt, das war bei seinem jüngsten Heimaturlaub unschwer zu erkennen. Der 43-Jährige präsentierte in einem Vortrag, was man als Priester in Mexiko alles erleben kann. Für deutsche Verhältnisse geradezu unvorstellbar, nimmt der Ordensmann dort den Gläubigen draußen sitzend die Beichte ab. Dazu kommt der Blick aufs Meer, der dem Ganzen eine geradezu heitere Note verleiht. Vielen Gläubigen spendete er bereits das Sakrament der Ehe, etwa einem Paar aus Untermeitingen. Als der Petersdorfer zuletzt zu Hause einen Gottesdienst feierte, kam es zu einem Wiedersehen mit den beiden.

Pater Hubert ist bemüht, das Leben im Land der Azteken gelassen hinzunehmen. Er zeigt ein Bild bei einer Taufe: „Die haben ein Kind bekommen, ehe sie geheiratet haben.“ Der „Gastarbeiter“ sagt nicht, dass die Kirche diese Reihenfolge predigt, er wettert aber auch nicht darüber. Zu seinem großen Freundeskreis gehört ein Mann, der in seinem Leben wohl erst zweimal einen Gottesdienst in einer Kirche mitfeierte. Weil das Meer nun mal nicht nur zum Schauen, sondern auch zum Eintauchen einlädt, kann es schon mal vorkommen, dass Hubert Reiner sich unter Wasser bewegt und beweist, dass man sehr wohl auch dort beten kann.

Viel hat der Pater zu erzählen. In erster Linie sind es positive Erfahrungen: „Diese fanastischen Landschaften und das Blau am Himmel – fast so schön wie in Bayern. Mir macht es Spaß, wenn ich in Mexiko bin.“ Das Gleiche gilt freilich auch, wenn er mal wieder zu Hause vorbeischauen kann. Wenn er seine fünf Geschwister, darunter mit Hans-Peter ein Bruder, der ebenfalls als Ordensmann tätig ist, sowie seine Eltern und die große Verwandtschaft sieht. Wie lange der „Hubi“, wie ihn seine Freunde zu Hause nennen, noch in Mexiko bleiben darf, das weiß nur der liebe Gott. Einen Wunsch aber darf freilich auch ein Kirchenmann äußern: „Möglichst lange“, sagt er selbst.

Dabei ist natürlich auch in Yucatan längst nicht alles Gold, was glänzt. Der Alkoholkonsum kann in diesem Land zu einer echten Belastung werden. Gelegentlich legt ein Alkoholkranker beim Pfarrer aus Deutschland, der fließend Spanisch spricht, ein Gelübde ab, demzufolge er nun einige Monate abstinent leben muss. Das hält er auch ein, umso heftiger freilich fällt danach der Rückfall in alte Zeiten aus. Pater Hubert bezeichnet den Zustand der Person am Tag nach Ablauf dieser Frist wörtlich als „stockblau“.

Bei seinen Predigten müssen die Zuhörer schmunzeln

Vor 300 Jahren fand bereits eine Evangelisierung in Mexiko statt. Papst Paul VI. hat die Legionäre Christi, die seit 45 Jahren dort im Einsatz sind, dazu aufgerufen, wieder in diesem Sinn tätig zu werden. Für Pater Hubert heißt das konkret: Er will in seiner Gemeinde Sankt Thaddäus eine Kirche errichten, den Platz hat er bereits von der Gemeinde erhalten. Außerdem ist er als Studentenseelsorger gefragt. Die Rolle des Geistlichen in seiner zweiten Heimat sieht er so: „Die Leute gehen erst zum Pfarrer, dann zum Psychologen und danach zur Nachbarin.“